Für Erwachsene, die seit Jahren Gitarre spielen

Warum du im Solo immer wieder dieselben Licks spielst

Ich habe jahrelang unterrichtet, um zu verstehen: Es liegt fast nie am Fleiß. Es liegt an fünf Dingen, die dir niemand gesagt hat.

Christoph Hagen auf der Bühne mit Stratocaster

Firmenevent bei Uhde in Hagen, 2012.

Christoph Hagen
Christoph Hagen, Gitarrist und Gitarrenlehrer
Lesezeit 6 Minuten

Ich war 14 und spielte in meiner ersten richtigen Band. Ich übte jeden Tag stundenlang, war für mein Alter weit, und ich wusste zwei Dinge sicher: Ich werde das für den Rest meines Lebens machen, und ich will damit mein Geld verdienen.

Ich bin in einer Kleinstadt groß geworden. Kein Musikgeschäft weit und breit, kein Internet. Was es über Gitarre zu wissen gab, stand in Fachzeitschriften. Da waren Wörter: Modes. Skalen. Spieltechniken. Wörter ohne Inhalt.

Und ich hörte Satriani. Vai. Lukather. Petrucci. Ich hörte ganz genau, was die da machten — und niemand konnte mir erklären, was da eigentlich abgeht. Ich habe gefragt, wen ich fragen konnte. Es fühlte sich an, als hätten sie es nicht gewollt.

Ein Gitarrenlehrer brachte mir Technik bei. Ein anderer schleppte Woche für Woche irgendwelches Material an. Ich habe es geübt. Es hatte nichts mit dem zu tun, was ich wirklich wollte.

Später spielte ich in Coverbands. Stilistisch breit, jedes Solo sauber nachgespielt, niemand hatte etwas zu beanstanden. Und wenn ich improvisieren sollte, ging immer dieselbe Schublade auf. Dieselben Licks, dieselben Techniken, dieselben drei Positionen. Ich hatte Musik im Kopf, die ich nicht spielen konnte.

Ich wollte E-Gitarre studieren. Rock, Pop, Jazz. Mir war klar, dass ich dafür Jazz spielen musste — und genauso klar, dass ich das nicht konnte.

Montag, 12:30 Uhr

Um mich auf die Aufnahmeprüfung vorzubereiten, ging ich an die Musikschule Radevormwald. Montags, halb eins. Vor mir saß Bert.

Bert hatte Antworten. Alle.

Wie spiele ich über einen Jazzstandard? Modal? Mit Arpeggien? Mit II-V-I-Licks? Was ist eigentlich vermindert? Alles, was ich vorher nur gehört hatte, bekam einen Namen — und wurde damit anfassbar. Ein Klang, den ich seit Jahren im Ohr hatte, war plötzlich eine Sache, die man lernen und üben kann.

Und mein Hören veränderte sich. In dieser Zeit kamen Larry Carlton dazu, Lee Ritenour, Wes Montgomery, George Benson. Musik, an der ich zwei Jahre vorher vorbeigelaufen wäre, weil ich sie nicht einordnen konnte — und die plötzlich offen dalag. Du hörst anders, sobald du verstehst, was da passiert. Das ist der Teil, den mir niemand vorher gesagt hatte: Es geht nicht nur darum, mehr spielen zu können. Es geht darum, mehr hören zu können.

Und Bert hat zwei Dinge gemacht, die vor ihm keiner gemacht hat. Er hat zugehört — er wollte wissen, was ich will, und danach hat er das Material ausgesucht.

Und er war der Erste, der mir gezeigt hat, wie man übt. Nicht: hier ist ein Stück, üb das bis nächste Woche, viel Erfolg. Sondern: So gehst du diese Stelle an. In dieser Reihenfolge. Mit diesem Tempo. Und daran merkst du, dass sie wirklich sitzt. Alle davor haben mir Material gegeben und mich damit allein gelassen.

Es war, als hätte jemand Licht ins Dunkel gebracht. Nicht nur im Unterricht. Welche Hochschule macht für mich Sinn? Wen kann ich zur Aufnahmeprüfung mitnehmen? Wo bekomme ich Noten, Literatur, Backingtracks? Ich fing an, andere Musik zu schreiben. Ich wurde stilistisch endlich mutiger.

Das Wissen, warum das alles funktioniert, habe ich mir später im Studium geholt. Aber die Wende kam an einem Montag um 12:30 Uhr, weil mir jemand zugehört und mir dann den nächsten Schritt gezeigt hat.

Was in deinem Fall wahrscheinlich fehlt

Ich unterrichte Erwachsene, die genau da stehen, wo ich damals stand. Sie spielen seit Jahren. Sie können Songs nachspielen, oft ziemlich gut. Und wenn sie improvisieren, kommt immer dasselbe.

Bei fast allen sind es dieselben fünf Dinge.

1. Du hast das Wissen. Du kommst nur nicht dran.

Du hast von Modes gehört. Du weißt, dass es Arpeggien gibt. Deine Pentatonik sitzt in zwei, vielleicht drei Positionen. Und trotzdem: Wenn der Track läuft und du sollst etwas spielen, ist nichts davon da. Du landest in derselben Ecke des Griffbretts, mit denselben Licks.

Das ist kein Wissensproblem. Es ist ein Zugriffsproblem. Wissen, das du nicht in dem Moment abrufen kannst, in dem du es brauchst, existiert beim Spielen schlicht nicht. Zwischen „ich weiß, was dorisch ist" und „ich spiele dorisch, weil ich es gerade hören will" liegt eine Strecke, die dir nie jemand gezeigt hat.

Deshalb dieses Gefühl beim Improvisieren: Du hörst eine Linie, und was rauskommt, ist etwas anderes — nicht falsch, aber nicht das, was du gemeint hast. Dein Ohr hat mehr Auswahl als deine Finger. Das ist kein Kreativitätsproblem und schon gar kein Talentproblem. Diese Strecke ist lernbar, und sie ist kürzer, als du denkst.

2. Deine Technik fließt nicht — und trägt Fehler mit, die längst eingeschliffen sind.

Es gibt ein Tempo, ab dem es bei dir auseinanderfällt, und du weißt ziemlich genau, wo das liegt. Was du vielleicht nicht weißt: Meistens fehlt da keine Kraft und keine Geschwindigkeit, sondern eine saubere Bewegung. Anschlagswinkel, Handposition, das Timing zwischen links und rechts. Und weil du es jahrelang so geübt hast, ist der Fehler nicht weniger geworden, sondern stabiler.

Übung macht nicht den Meister.
Übung macht dauerhaft.

Das ist die unangenehme Nachricht in diesem Text: Ein Teil dessen, was du in den letzten Jahren geübt hast, hat dich festgemacht statt weitergebracht.

3. Du spielst Noten. Du erzählst nichts.

Zwei Gitarristen spielen dieselben fünf Töne. Bei dem einen klingt es nach einer Aussage, bei dem anderen nach einer Übung. Der Unterschied sind nicht die Töne, sondern was du mit ihnen machst: Phrasierung, Dynamik, Pausen, wo eine Linie hinführt und wo sie aufhört. Genau das steht in keinem Tab, und geübt wird es fast nie, weil es sich nicht nach Fortschritt anfühlt.

Und dann ist da der Teil, den fast alle unterschätzen: Zuhören. Die meisten reagieren im Zusammenspiel nicht, sie spulen ab. Was der Bass gerade macht, ob der Schlagzeuger aufmacht, ob der andere Gitarrist dir gerade Platz lässt — das geht vorbei, weil man mit sich selbst beschäftigt ist. Musik entsteht aber zwischen den Leuten und nicht in deinem Kopf. Das kannst du allein zu Hause nicht üben, und das ist der Grund, warum es bei mir nicht nur Einzelunterricht gibt.

4. Dir hat nie jemand gezeigt, wie man übt.

Und das ist der Grund, warum Punkt zwei überhaupt passiert. Fast jeder Unterricht besteht aus Material verteilen: hier ist ein Stück, hier ist eine Übung, üb das bis nächste Woche. Was in diesen sieben Tagen zu Hause passiert, hat dir nie jemand erklärt.

Wie lange bleibst du an einer Stelle? In welchem Tempo fängst du an, und woran merkst du, dass du erhöhen darfst? Wann isolierst du zwei Töne, statt den ganzen Lauf zu wiederholen? Wann hörst du auf, weil weitere Wiederholungen nur noch den Fehler festigen? Und woran erkennst du überhaupt, dass etwas sitzt und nicht nur heute zufällig geklappt hat?

Das sind lernbare Dinge. Üben ist eine eigene Fähigkeit, unabhängig vom Instrument — und fast niemand hat sie je beigebracht bekommen. Deshalb sitzen Leute jahrelang täglich an der Gitarre und kommen trotzdem nicht weiter. Nicht zu wenig Zeit. Falsch eingesetzte Zeit.

5. Und dann ist da noch der Bogen, den man sich baut.

Wer zwanzig Jahre spielt, fängt nicht gern bei einer Bewegung wieder von vorn an. Also baut man sich einen Bogen drumherum: Das brauche ich für meine Musik nicht. Dafür bin ich zu alt. Das ist Theoriekram. Ich spiele lieber nach Gefühl. Ich kenne diese Sätze, ich habe sie selbst gesagt, und sie sind alle nachvollziehbar. Sie kosten nur genau das, was du eigentlich willst — und die Energie, die in diese Bögen geht, ist oft größer als die, die der neue Weg gekostet hätte.

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Wie ich heute unterrichte

Zwei Dinge, und beide kommen direkt aus dem, was mir damals gefehlt hat.

Erstens: Ich frage zuerst.

Meine erste Frage in jeder neuen Zusammenarbeit lautet: Was möchtest du? Weshalb bist du hier? Danach entscheide ich, was du übst. Nicht vorher. Und ich sage dir auch, warum du bisher nicht angekommen bist — das ist meistens der unangenehmste und der nützlichste Teil der ersten Stunde.

Und du gehst nie mit einem Zettel und ohne Plan nach Hause. Zu jeder Sache, die du mitnimmst, gehört bei mir dazu, wie du sie übst: in welchem Tempo du anfängst, wie du die Stelle zerlegst, wann du erhöhst, wann du aufhörst und woran du merkst, dass es sitzt. Das ist mir so wichtig wie der Inhalt selbst — weil die Stunde eine Woche lang wirken soll und nicht 45 Minuten.

Konkret heißt das: In einer Woche hast du 45 Minuten Einzelunterricht — vor Ort im Studio in Wipperfürth oder online, an deinem Spiel und deinen Zielen. In der Woche danach eine Practice Session, in der wir das Gelernte gemeinsam mit anderen Gitarristen anwenden. Üben allein zu Hause ist nicht dasselbe wie spielen, wenn jemand zuhört, und genau der Unterschied entscheidet später auf der Bühne.

Zweitens: die Zeit zwischen den Stunden.

Das ist der Teil, der mir am längsten gefehlt hat. Bert hat mir damals nicht nur Unterricht gegeben, er hat mir gesagt, wo ich Material bekomme und wie es weitergeht. Genau das gehört bei mir mit dazu: Wenn du am Montag an einer Stelle hängst, wartest du nicht bis zur nächsten Stunde. Du schickst mir eine Aufnahme und bekommst persönliches Video-Feedback — Anschlagshand, Fingersatz, Material, was gerade dran ist. Dazu der Austausch mit den anderen zwischen den Terminen.

Und weil ich mein Unterrichtsmodell gerade umgestellt habe und neu aufbaue, heißt das für dich im Moment etwas ganz Konkretes: Du bekommst mehr von meiner Zeit, als in einem Jahr möglich sein wird.

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„Endlich ein Gitarrenlehrer, der versteht, was ich wirklich lernen will. Keine Fingerübungen aus dem Lehrbuch – sondern direkt an den Sachen, die mich begeistern."Markus K., Wipperfürth
„Ich hatte vorher schon Unterricht, aber nie so zielgerichtet. Christoph macht genau da weiter, wo ich stehe – und erklärt alles so, dass ich es sofort anwenden kann."Stefan R., Online

Wenn du wissen willst, wo du stehst

Ich biete eine kostenlose Probestunde an. 45 Minuten, online.

Was darin passiert: Du spielst mir etwas vor. Du erzählst mir, was du willst und woran es hängt. Ich sage dir, welche der fünf Lücken bei dir die größte ist und was der nächste Schritt wäre. Das ist die Antwort, die ich damals gebraucht hätte.

Was nicht passiert: kein Verkaufsgespräch, keine Verpflichtung. Wenn ich merke, dass ich nicht der Richtige für dich bin, sage ich es dir — und nenne dir, wenn ich kann, jemanden, der besser passt.

Ich habe fünf Termine pro Woche, weil ich daneben unterrichte. Wenn die Woche voll ist, ist sie voll. Such dir einen Termin aus, der dir passt — du siehst direkt meine freien Zeiten.

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